Arbeitsbeziehungen: Unsicherheit wächst
Früher waren die Arbeitsbeziehungen hierzulande viel einfacher strukturiert. Es gab wenige Selbstständige und viele abhängig Beschäftigte, von denen die meisten unter die Sozialversicherungspflicht fielen. Doch inzwischen wird auch in Deutschland das "Normalarbeitsverhältnis" - sozialversichert, in Vollzeit, nicht befristet, tariflich entlohnt - zunehmend zum Auslaufmodell. Ganz im internationalen Trend: Weltweit nehmen ungesicherte, prekäre Arbeitsverhältnisse zu.
Prekäre Arbeit wird zur Regel
"Nicht jeder Job ist ein guter Job", sagen die Gewerkschaften. Prekäre Arbeitsbedingungen bedeuten dabei mehr, als zu wenig Geld zu verdienen. Drohende Altersarmut, gesundheitsgefährdende Existenzängste und ein Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben sind weltweit auch eine Folge der zunehmenden ungesicherten Arbeits- und Lebensverhältnisse. Gute Arbeit umfasst daher mehr: gesicherte Renten, flächendeckende Gesundheitsversorgung und das Recht auf Weiterbildung. Gleichzeitig stehen die Gewerkschaften vor dem Problem, dass je weniger Beschäftigte es in "Normalarbeitsverhältnissen" gibt, desto schwieriger ist auch die "klassische" Organisierung. Um gemeinsam für gute Arbeit zu kämpfen, braucht es aber starke Gewerkschaftsorganisationen. Gewerkschaften in Deutschland engagieren sich daher seit einigen Jahren verstärkt beispielsweise im Bereich Leiharbeit oder etwa mit Projekten zu Organizing in den Dienstleistungsbranchen.
Der informelle Sektor
Eine besondere Form der prekären Beschäftigung offenbart die Informelle Wirtschaft. KleinbäuerInnen, TagelöhnerInnen, Marktfrauen und -männer oder FischerInnen - der überwiegende Teil der Menschen nimmt nur in geringem Maße am weltweiten Wirtschaftssystem teil. Gewerkschaften stehen hier vor einer besonderen Herausforderung, denn die Forderung nach guter Arbeit lässt sich in diesen Bereichen schwer umsetzen. Ansätze einer neuen Strategie hat die ILO in Pilotprojekten beispielsweise in Ghana erprobt.
Beschäftigung systematisch fördern
Angesichts der Zunahme von prekärer Beschäftigung auch in Deutschland fordert der DGB eine
Qualifizierungsoffensive, Mindestlöhne und eine politische Initiative zur
Missbrauchsbekämpfung. "Die
Bundesregierung ist gut beraten, wenn sie sich den konkreten Problemen durch die Prekarisierung der Arbeitswelt
stellt", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.
Auch auf dem internationalen Parkett stellen sich die Gewerkschaften den Herausforderungen, nachdem sie lange versucht haben, die Probleme mit Ansätzen der klassichen Beschäftigungspolitik zu lösen. Im Rahmen ihrer Kampagne "Decent Work" hat die ILO in Ghana in einem Pilotprojekt vor zwei Jahren gemeinsam mit GewerkschafterInnen aus der Palmölindustrie gezeigt, wie menschenwürdige Arbeit praktisch aussehen kann.
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