
| Globales Netzwerk der DHL-ArbeiterInnen gegründet |
Respekt für die Beschäftigen ist eine gute Sache. Deshalb hat das Post-
und Logistikunternehmen Deutsche Post DHL diesen Unternehmenswert auch
als ihr Markenzeichen festgeschrieben. Gewerkschaften beschuldigen den
internationalen Konzern nun, den Respekt von Arbeitnehmerrechten
permanent zu missachten.
DHL-Beschäftigten droht der Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen, eine ungesicherte Zukunft und Ungewissheit darüber, wie das Management die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise handhabt. Die Globale Gewerkschaft für Fach- und Dienstleistungsberufe UNI und die Internationale Transportarbeitergewerkschaft ITF haben deshalb eine Kampagne gestartet, deren Ziel ein globales Abkommen für alle Beschäftigten ist. Um mit einer Stimme zu sprechen, wurde ein globales Netzwerk der DHL Beschäftigten mit mehr als 200.000 ArbeiterInnen aus mehr als 50 Gewerkschaften geschaffen. In einer Videobotschaft fordern die Beschäftigten „die Unterzeichnung eines globalen Ankommen, welches die Verpflichtung zur Einhaltung von ArbeitnehmerInnenrechten klar stellt und Verantwortungen festlegt.“ Durch die UNI- und ITF-Kampagne soll sichergestellt werden, dass Deutsche Post/DHL sich zu seiner sozialen Verantwortung als ein internationaler Arbeitgeber bekennt. Die Beschäftigten fordern, dass alle bei DHL arbeitenden Männer und Frauen in Hinblick auf Strategien, Zielen und Aktivitäten des Unternehmens konsultiert werden müssen und dazu Zugang zu den relevanten Informationen gewährt werden muss. Weitere Forderungen sind, alle Beschäftigten gerecht zu behandeln, ihnen volle Gewerkschaftsrechte einzuräumen und die Anwendung von Best-Practice-Standards im Unternehmen zu garantieren. Beispiel BelgienIn Belgien trete das DHL Management die Rechte der Beschäftigten derzeit mit Füßen. Hier soll die Europäische Unternehmenszentrale in der Nähe des belgischen Nationalflughafens geschlossen werden, 788 Beschäftigte stehen vor der Kündigung. Die Geschäftsleitung verlegt die Tätigkeiten nach Bonn, Leipzig und Prag. Nach Angaben der Gewerkschaften habe das Unternehmen die Entscheidung aus Gründen der Bequemlichkeit getroffen, sie führe zu keinerlei Kosteneinsparungen. DHL lehnt Verhandlungen über die diversen Kündigungs- und Umsiedlungspakete mit den Gewerkschaften ab. Das Management gab bekannt, nur noch individuell mit den einzelnen ArbeitnehmerInnen verhandeln zu wollen. Dieser Schachzug bedeutet, dass viele Beschäftigte am Ende weit weniger erhalten werden, als wenn ihre Gewerkschaften sie vertreten würden. „Das Unternehmen missachtet 788 Familien von Beschäftigten in Belgien, die nun im kommenden Jahr ein Einkommen verlieren werden”, sagte Neil Anderson, Leiter des Post&Logistiksektors in UNI. „Dies ist ein verheerender Schlag für hunderte Beschäftigte, die in diesen schwierigen Zeiten Probleme haben werden, eine neue Arbeit zu finden.” Beispiel PanamaAuch in Panama haben sich die Beschäftigten von DHL der Kampagne angeschlossen. Auf einem Treffen mit UNI und ITF haben die lateinamerikanischen Gewerkschaften UNCOTAP und SIELAS gemeinsam das Verhalten des Konzerns gerade in Krisenzeiten diskutiert. Die Gewerkschaften aus Panama erklärten, DHL Beschäftigte hätten in früheren Zeiten wenig Wert auf die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft gelegt, da sie sich im Vergleich mit den Arbeitsbedingungen bei anderen Unternehmen gegenüber anderen ArbeiterInnen privilegiert gefühlt hätten. Seit zwei Jahren sei das anders. Die Arbeitsbedingungen hätten sich verschlechtert, der Druck nehme ständig zu und um Kosten zu sparen, lagere der Konzern immer mehr Aufträge an Subunternehmer aus. Die UNI-Gewerkschafterin Cenise Monteiro spricht davon, dass viele Beschäftigte Angst hätten zu sprechen, weil sie Sanktionen der Unternehmensleitung befürchteten. 2008 waren in Tocumen acht MitarbeiterInnen entlassen worden, nachdem sie versucht hatten, über höhere Löhne zu verhandeln. Beispiel KanadaBryant Leroux ist selbständiger LKW-Fahrer bei DHL und Präsident der Geschäftsstelle der CAW (Canadian Auto Workers) in Ontario (Kanada), die die Beschäftigten bei DHL vertritt. Das Mitglied des ITF-Netzwerks Globale Lieferdienste ist seit über 30 Jahren als selbständiger Auftragnehmer im Lkw-Fahrdienst tätig und war u. a. auch 21 Jahre lang bei dem TNT-Tochterunternehmen AllTrans Express beschäftigt. Seiner Meunung nach sollten alle Selbständigen FahrerInnen einer Gewerkschaft angehören und einen Kollektivvertrag haben: „Nach kanadischem Recht gelten wir als "abhängige Subunternehmer", da wir nirgendwo anders arbeiten können und unsere gesamte Tätigkeit unter dem Mantel von DHL Worldwide Express läuft. Unsere Farben sind die DHL-Farben, die Lkws tragen das Logo von DHL und sind auf DHL zugelassen, wir tragen DHL-Uniformen, wir können für kein anderes Unternehmen arbeiten, und ich kann keine anderen Aufträge annehmen. Aus diesen Gründen betrachtet uns die Regierung als abhängige Subunternehmer. Nach dem Kollektivvertrag gelten wir allerdings als abhängig beschäftigte, unabhängige Subunternehmer. Um die Leistungen eines mit einem Unternehmen vereinbarten Kollektivvertrags in Anspruch nehmen zu können, muss man als abhängiger Subunternehmer eingestuft werden. Als unabhängiger Subunternehmer kann man beispielsweise beim Workplace Safety and Insurance Board der Provinz Ontario keine Ansprüche geltend machen. Unsere Kollektivverträge haben eine Laufzeit von drei Jahren. Der jetzige läuft Ende Oktober diesen Jahres aus. Wenn wir es allerdings nicht schaffen, bis dahin einen neuen Vertrag auszuhandeln, sind wir weiterhin vollständig an den alten Vertrag gebunden, bis ein neuer Vertrag vereinbart wurde. Das ist Bestandteil der Vertragsbedingungen.“ Weitere Informationen finden Sie hier
Zur Videobotschaft Unions demand DHL respect its workers' rights
|
| < zurück | weiter > |
|---|
| Umfrage |
|---|
| Newsticker "Gute Arbeit" |
|---|
|
|