
Gleichbehandlung und Vielfalt statt Diskriminierung
Je verschiedener die ArbeitnehmerInnen in einem Unternehmen sind, umso größer ist sein Potenzial. Das haben 95 Prozent der führenden US-amerikanischen Großunternehmen heute erkannt und wenden den Personal- und Organisationsentwicklungsansatz Diversity Management an. Sie wissen: Der Erfolg liegt in der Zusammenarbeit von Frauen und Männern, von Jung und Alt, von Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen, unterschiedlicher Religionen, Weltanschauungen und sexuellen Orientierungen, von Menschen mit und ohne Behinderungen. Vielfältige Teams stehen für flexiblere Organisationsmöglichkeiten und lösen Probleme kreativer. Wer eindimensional einstellt, engt zudem die Bewerberzahl ein und ist auf dem globalisierten Markt schlechter aufgestellt. Kurz: Vielfalt ist eine Voraussetzung für Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit. Wirklichkeit spricht andere SpracheWas für Unternehmen stimmt, gilt nicht minder für Volkswirtschaften. Doch die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Der globale Arbeitsmarkt ist geprägt von Ungleichheiten und Diskriminierung. Über zwölf Millionen Menschen werden weltweit unter sklavenähnlicher Bedingungen zur Arbeit gezwungen, mindestens 200 Millionen Kinder gehen zur Arbeit statt zur Schule, vor allem Frauen und junge Menschen haben weltweit wenig Chancen auf einen existenzsichernden Job. Was global Realität ist, macht auch vor den Türen der Unternehmen in Industrieländern nicht halt. Wer kennt nicht eine lesbische Kollegin, die in ihrer Firma meist nicht von ihrem Wochenende erzählt oder lieber allein zum Betriebsausflug kommt? Eine Gewerkschaftsstudie von ver.di kam 2006 zu dem Ergebnis, dass noch immer 52 Prozent der befragten Schwulen und Lesben ihre Homosexualität am Arbeitsplatz geheim halten. Rund drei Viertel der Befragten haben bereits Diskriminierungen aufgrund ihrer sexuellen Identität erlebt. Auch die Hautfarbe spielt bei Bewerbungen immer wieder eine Rolle. Ob mit deutschem Pass oder schlechter noch ohne – schwarze Menschen kämpfen oft mit jahrhundertealten Vorurteilen, Schwarze Deutsche sind in den Augen vieler unsichtbar. Diskriminierungen am Arbeitsplatz sind auch für MigrantInnen Realität. Neben schlechteren Einstellungschancen erfahren sie nach Angaben des DGB immer wieder alltägliche Formen von Diskriminierung: „Die Beispiele für diese oft von der Mehrheit der Beschäftigten nicht empfundenen Diskriminierungen sind in den Pausenräumen, auf den Toiletten zu finden. (...) Fremdenfeindliche Witze und die Herabsetzung der Herkunft oder Religion gehören dazu”. Vor allem Frauen benachteiligtNach wie vor gilt: Frauen bleiben weltweit häufig mehrfach benachteiligt. Das belegt auch der zweite globale Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zur Diskriminierung bei der Arbeit . Die meisten Fälle von Diskriminierung betreffen Frauen – ob beim Entgelt, den Aufstiegschancen oder der mittelbaren Diskriminierung durch mangelhafte Rahmenbedingungen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Der Bericht lenkt darüber hinaus die Aufmerksamkeit von Regierungen und Sozialpartnern auf neue, bislang wenig beachtete Formen der Diskriminierung – beispielsweise aufgrund von Alter, HIV/AIDS, eines ungesunden Lebensstils oder der Wahrscheinlichkeit bestimmter genetischer Erkrankungen. Gesetze reichen nichtDer ILO-Bericht zeigt außerdem: Gesetze allein reichen nicht aus, um Diskriminierungen wirksam zu bekämpfen. Zwar haben 90 Prozent der Mitgliedstaaten die ILO-Kernarbeitsnormen gegen Diskriminierung ratifiziert und sich damit zur Verabschiedung entsprechender Gesetze verpflichtet. Dennoch bleiben Benachteiligungen nach wie vor Alltag. Weltweit, in der EU – trotz fortschrittlicher EU-Richtlinien zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Alter, Behinderung, Geschlecht, sexueller Orientierung, rassistischer Zuschreibung und ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung – und auch in Deutschland, obwohl der Schutz vor Diskriminierungen im Grundgesetz verankert ist und es seit 2006 ein Antidiskriminierungsgesetz (AGG) gibt. Damit Diskriminierung im öffentlichen Bewusstsein tatsächlich als Problem erkannt und abgestellt wird, hat die EU die Kampagne "Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung" gestartet. |