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Gute Arbeit Weltweit: Überblick
Gute Arbeit - weltweit

Menschenwürdige, gute Arbeit ist ein Menschenrecht. Jede und jeder weltweit hat ein Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen, auf Schutz vor Arbeitslosigkeit, auf gerechte Entlohnung, auf Vereinigungsfreiheit. Das ist in Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten.
Doch nicht jede Arbeit ist eine gute Arbeit – 1,4 Milliarden Menschen, etwa die Hälfte aller Arbeitenden weltweit, verdienen weniger als zwei Dollar am Tag. Sie haben zwar Arbeit, können von ihr aber nicht leben. 80 Prozent der arbeitenden Menschen sind ohne ausreichenden sozialen Schutz. Und die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd, zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung, wächst weiter. Sie hat inzwischen längst auch die Menschen in den Industriestaaten erreicht. Auch dort schreitet die Prekarisierung der Arbeit voran, werden soziale Rechte abgebaut, gibt es immer mehr Menschen, die sich und ihre Familie von ihrer Arbeit nicht mehr ernähren können.
Mindeststandards durchsetzen
Um die weltweite Armut wirksam zu bekämpfen, fordert die Internationale Arbeitsorganisation ILO mehr Anstrengungen der Politik, menschenwürdige Arbeitsplätze zu schaffen und die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Dazu hat die ILO 1999 das Programm „Decent Work“ aufgelegt. Decent Work bedeutet „Menschenwürdige Arbeit“ oder – frei ins Deutsche übersetzt – „Gute Arbeit“.
Die Agenda der ILO hat vier strategische Ziele:
- weltweit Mindeststandards durchsetzen,
- mehr und bessere, ausreichend entlohnte Arbeitsplätze schaffen,
- den Sozialschutz verbessern sowie
- den sozialen Dialog fördern.
Es gibt zahlreiche Initiativen und Strategien, bessere Arbeitsplätze weltweit zu erreichen – von den ILO-Kernarbeitsnormen über die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen bis hin zum Konzept der Corporate Social Responsibilty (CSR), der sozialen Verantwortung von Unternehmen.
Aktiv für Gute Arbeit
Die Gewerkschaften fordern nicht nur von den Regierungen der Industriestaaten, mehr Maßnahmen zu ergreifen für mehr und bessere Arbeitsplätze weltweit, für eine Ausweitung des Sozialschutzes in den Schwellen- und den Entwicklungsländern, für Mindesteinkommen und den Schutz der Gewerkschaftsrechte, gegen Diskriminierung und Armut. Sie werden auch selbst initiativ – in Kampagnen, Aktionen und Projekten – national wie international mit Partnern weltweit. So hat der Internationale Gewerkschaftsbund IGB gemeinsam mit anderen Organisationen Anfang 2007 die Kampagne „Decent Work For A Decent Life“ gestartet, und der DGB hat den 1. Mai 2008 unter das Motto „Gute Arbeit muss drin sein“ gestellt.
Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle
Seit ihrer Gründung setzen sich die Gewerkschaften für gute Arbeit, für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen ein. Zu guter Arbeit gehört aus Sicht der Gewerkschaften mehr als ein ausreichendes, gerechtes Entgelt. Gute Arbeit verlangt auch Arbeitsplatzsicherheit und gesunde Arbeitsbedingungen – ein Arbeitsleben lang.
„Gute Arbeit“ – das ist Arbeit mit Beteiligung und einem gerechten Entgelt, mit Arbeits- und Gesundheitsschutz und sozialer Sicherheit und ohne Diskriminierungen.
Artikel auf gute-arbeit-weltweit zum Thema:
"Gute Arbeit weltweit durchsetzen"
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, der seit Juli 2010 auch Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) ist, erklärt, warum ihm das Thema Gute Arbeit ein persönliches Anliegen ist. "Wenn wir als Gewerkschaften Einfluss nehmen wollen auf die Politik der internationalen Finanzinstitutionen, auf die WTO, auf die UN insgesamt, lässt sich das nicht einfach nach Brüssel, Genf, Paris oder Washington delegieren. Da ist unser persönliches Engagement gefragt."
www.gute-arbeit-weltweit.de hat die Gewerkschafterin aus Burkina Faso und stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB), Mammounata Cisse gefragt, wie für sie die Zukunft von "Guter Arbeit weltweit" aussieht.
"Gute Arbeit kennt keine Grenzen"
Heidemarie Wieczorek-Zeul, ehemalige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ist überzeugt: "Ohne Arbeit, ohne Beschäftigung gibt es für die Menschen keinen Weg aus der Armut." Es gehe aber nicht um "irgendeine Arbeit, unter irgendwelchen Bedingungen zu irgendwelchem Lohn", meint Wieczorek Zeul. "Wir wollen Beschäftigung, die Menschenrechte, Kernarbeitsnormen und andere Sozialstandards achtet. Kurz gesagt: Wir wollen menschenwürdige Arbeit weltweit!"
Harald Wiedenhofer engagiert sich täglich für gute Arbeitsbedingungen und ein sozialeres Europa: Er ist Generalsekretär der "Europäischen Gewerkschaftsföderation für den Landwirtschafts-, Nahrungsmittel- und Tourismussektor" (EFFAT). Im Interview erklärt er, warum die Europawahl 2009 besonders bedeutend ist und ob die Wirtschaftskrise den Weg hin zu einem sozialen Europa erleichtert.


